YASA will Axialflussmotoren künftig ohne Seltene Erden bauen

Der britische Elektromotoren-Spezialist YASA, eine hundertprozentige Tochter der Mercedes-Benz Group, hat mit „Project Resilience“ ein neues Entwicklungsprogramm gestartet: Künftige Axialflussmotoren sollen ganz oder teilweise ohne Seltene Erden auskommen. Entwickelt wird in Oxford, gefördert von der britischen Regierung.

Leistungsstarke E-Motoren brauchen bislang Permanentmagnete aus Neodym und schweren Seltenen Erden wie Dysprosium, die auch bei Hitze ihre Kraft behalten. Die Lieferkette dafür ist stark auf China konzentriert – politische Spannungen oder Exportbeschränkungen können schnell zu Engpässen und steigenden Preisen führen. Genau diese Abhängigkeit will YASA verringern.

Zwei Entwicklungspfade auf gemeinsamer Stator-Plattform:

  • Für Hochleistungsanwendungen (z. B. künftige Mercedes-AMG-Modelle): Motoren ohne schwere Seltene Erden, aber noch mit Permanentmagneten – dank Direktölkühlung weiterhin sehr hohe Leistungsdichte.
  • Für den Massenmarkt: Motoren ganz ohne Seltene Erden im Rotor, ausgelegt auf niedrige, planbare Produktionskosten statt Höchstleistung.

Project Resilience ist eines von zehn „Demonstrate“-Projekten des britischen DRIVE35-Programms (bis 2035 rund 4 Mrd. Pfund für Automobil-F&E, organisiert von Wirtschaftsministerium, Advanced Propulsion Centre UK und Innovate UK). Die zehn Projekte teilen sich 9 Mio. Pfund Förderung; YASAs genauer Anteil ist unbekannt. Ein funktionsfähiger Demonstrator muss laut Programm innerhalb von zwölf Monaten stehen.

YASAs Axialflussmotoren gelten als besonders kompakt und leistungsdicht – das Magnetfeld verläuft entlang der Drehachse statt radial, was scheibenförmige, drehmomentstarke Antriebe ermöglicht. Erst kürzlich erreichte ein 12,7-kg-Prototyp kurzzeitig 750 kW Spitzenleistung, ein inoffizieller Rekord. Solche Motoren stecken bereits im Mercedes-AMG GT XX, im Ferrari SF90 Stradale und in Lamborghini-Hybriden. Ziel von Project Resilience ist es, diese Leistungsdichte trotz reduzierter oder fehlender Seltener Erden zu halten – technisch eine Herausforderung, da die Magnetkraft ausgeglichen werden muss, etwa über Kühlung oder alternative Magnetkonzepte.

Gelingt der Balanceakt, könnte das die Elektroauto-Fertigung insgesamt unabhängiger von geopolitischen Lieferkettenrisiken machen – spürbar vor allem bei Verfügbarkeit und Preisstabilität, weniger beim Fahrerlebnis selbst.

Symbolbilder: Mercedes-Benz Group AG