Steer-by-Wire im EQS noch dieses Jahr bestellbar

Mercedes-Benz bringt mit dem überarbeiteten EQS erstmals eine Steer-by-Wire-Lenkung in Serie – ein System, das seit Jahren als Zukunftstechnologie gehandelt wird, es bislang aber kaum in ein Serienfahrzeug geschafft hat. Für viele Interessenten dürfte dabei vor allem eine Frage im Vordergrund stehen: Wann lässt sich die neue Lenkung tatsächlich bestellen – und zu welchen Bedingungen?

Bestellstart noch in diesem Jahr

Nach aktuellem Stand plant Mercedes, die Steer-by-Wire-Lenkung noch vor Ende des Jahres 2026 für die Modellpflege der EQS-Limousine freizugeben. Der Aufpreis für das System soll bei knapp 2.500 Euro liegen. Die Lenkung soll dazu in Kombination mit allen Motorisierungen der Baureihe erhältlich sein.

Wichtig für die Kaufentscheidung: Die Steer-by-Wire-Lenkung ist im EQS untrennbar mit der Hinterachslenkung verbunden. Wer das neue System ordert, muss automatisch auch die Version mit einem Lenkwinkel von bis zu zehn Grad an der Hinterachse mitordern – eine Kombination, die laut Mercedes für einen kleineren Wendekreis bei niedrigem Tempo und mehr Stabilität bei höherer Geschwindigkeit sorgt.

Keine Pflicht zur neuen Technik

Wer der elektronischen Lenkung ohne mechanisches Backup skeptisch gegenübersteht oder schlicht bei Bewährtem bleiben möchte, wird beim EQS nicht zum Umstieg gezwungen. Mercedes bietet die konventionelle elektromechanische Lenkung parallel weiter an. Die Steer-by-Wire-Lenkung bleibt damit eine Option unter mehreren – wenn auch eine, die mit einem spürbar veränderten Innenraumkonzept einhergeht: Statt eines klassischen runden Lenkrads kommt ein flacheres, jochförmiges „Yoke“-Lenkrad zum Einsatz, das mehr Kniefreiheit und einen besseren Blick auf das Display verspricht.

Warum die Verzögerung sinnvoll erscheint

Dass das System nicht direkt zum Marktstart des EQS-Facelifts, sondern erst im Laufe des Jahres nachgereicht wird, dürfte mit dem technischen Aufwand zusammenhängen. Anders als bei einer klassischen Lenkung gibt es hier keine mechanische Rückfallebene – entsprechend hoch sind die Anforderungen an die Absicherung des Systems.

Mercedes setzt deshalb auf eine redundante Auslegung: Die Lenkbefehle werden grundsätzlich doppelt über getrennte Steuergeräte an das Lenkgetriebe übertragen, sodass der Ausfall eines Signalpfads durch den zweiten kompensiert werden kann. Erst wenn beide Pfade versagen sollten, greifen ESP und Hinterachslenkung als letzte Sicherheitsebene, um das Fahrzeug bis zum Stillstand steuerbar zu halten. Diese mehrstufige Architektur dürfte auch erklären, warum die Freigabe für Kunden erst nach dem regulären Verkaufsstart der Modellpflege erfolgt – Absicherung und Erprobung eines derart sicherheitsrelevanten Systems brauchen entsprechend Zeit.

Ein Novum für den europäischen Markt

Mit dem geplanten Bestellstart wird Mercedes-Benz nach aktuellem Stand zum ersten europäischen Hersteller, der Steer-by-Wire-Lenkung in einem Serienfahrzeug anbietet. Zwar setzen auch andere Hersteller wie Tesla oder Lexus auf ähnliche Ansätze, die Kombination mit einer voll mitlenkenden Hinterachse in dieser Form gilt aber als Alleinstellungsmerkmal. Für EQS-Kunden bedeutet das: Wer schon zum Marktstart des Facelifts zugreift, wird sich zunächst noch mit der klassischen Lenkung begnügen müssen – die Steer-by-Wire-Variante folgt als Nachreichung im weiteren Verlauf des Jahres 2026.

Bilder: Mercedes-Benz Group AG

16 Kommentare
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Stefan BY
15 Tage zuvor

Für mich wäre es nix.
Aber das gute ist, dass man die Wahl hat. So kanm jeder das nehmen was er möchte und es wird einem nichts aufgedrückt was man gar nicht will.
Anders als z.B. die nervige Geschwindigkeitswarnung der EU…

Chris Sayerstein
15 Tage zuvor

40 Jahre später darf sich jeder wie Michael Knight fühlen.

Michael Kauf
15 Tage zuvor

Unnötig großer Aufwand für Ersatz von Bewährtem!

BlueLagoon
Reply to  Michael Kauf
15 Tage zuvor

Ja, bloß keine Innovationen! Wären wir doch bei der Pferdekutsche geblieben. 😉

Leonhard
15 Tage zuvor

Wird eine Steer-by-Wire-Lenkung bald auch in anderen Baureihen bestellbar sein?

BlueLagoon
Reply to  Leonhard
15 Tage zuvor

Ich gehe mal davon aus, man will erst mal ein bisschen Serienerfahrung sammeln. Und wenn es sich bewährt, wird man künftige Baureihen direkt mit Steer-by-Wire entwickeln.

Neben dem Nutzen für den Fahrer (viel geringere Lenkradwinkel, kein Kurbeln mehr von Anschlag zu Anschlag nötig) hat so ein System ja auch erhebliche konstruktive Vorteile: Man spart sich den Durchbruch der Lenksäule durch die Stirnwand, vereinfacht so die Aufwände für die Crashsicherheit und reduziert die Unterschiede zwischen Links- und Rechtslenkervarianten erheblich. Außerdem ist so ein System überhaupt erst die Voraussetzung, um in Level-4/5-Fahrzeugen das Lenkrad im autonomen Fahrbetrieb „wegklappen“ und den Platz anderweitig nutzen zu können.

Tobson
15 Tage zuvor

Wer hat danach gefragt?
Wird das eine gesetzliche Vorgabe?
Ist das eine Innovation, die man unbedingt braucht?
Macht das den EQS hübscher?

Frage als Kunde

Ralf
Reply to  Tobson
13 Tage zuvor

Nicht immer muss jemand danach fragen. (Niemand hatte nach einem tastenlosem Mobiltelefon gefragt gehabt. 😉
Wüsste ich nicht. Warum auch?
Unter Umständen ja, wie bei so vielen Innovationen – siehe den Vergleich zur Pferdekutsche.
Hübscher vielleicht nicht, aber attraktiver. 😉

Antworte als Kunde.

Rainer
Reply to  Tobson
13 Tage zuvor

If I had asked my customers what they wanted, they’d have told me „A faster horse“.

(Henry Ford).

Stranger
15 Tage zuvor

Das klingt ja so, als ob die Hinterachslenkung deswegen zwingend notwendig ist, damit bei Systemausfall noch eine (eingeschränkte) Lenkmöglichkeit „von hinten“ besteht.
Wenn das wirklich so ist, steigert das nicht mein Vertrauen in das System 😉

Zuletzt editiert am 15 Tage zuvor von Stranger
Gerhard
Reply to  Stranger
15 Tage zuvor

Wie soll die Hinterachse da helfen? Sie ist grundsätzlich nicht über ein Lenkgetriebe mit dem Lenkrad verbunden. Also quasi von natur aus „steer by wire.“

Stranger
Reply to  Gerhard
14 Tage zuvor

…im Sinne „wenn das vordere Steer by wire nicht mehr funktioniert, dann aber vielleicht noch das hintere“.
So interpretiere ich die obigen Textpassage „Erst wenn beide Pfade versagen sollten, greifen ESP und Hinterachslenkung als letzte Sicherheitsebene, um das Fahrzeug bis zum Stillstand steuerbar zu halten.“

Marc W.
14 Tage zuvor

Noch komfortabler wird es, sobald eine variable Landstraßenkurve zuverlässig und „bestlinig“ durch das System genommen wird, solange der Fahrer überwacht und durch Nichteingriff „bestätigt“.

Nächste Stufe ist dann beim elektrischen GLS eine ausklappbare v-copter-Dacheinheit, um kurze Staus „überhüpfen“ zu können. Ich mag den Fortschritt.

stephan
13 Tage zuvor

2500€ extra und der Pralltopf ( Airbag ) ist immer noch nicht mit Leder versehen !

BlueLagoon
Reply to  stephan
11 Tage zuvor

Tja, das gibt’s halt nur in der S-Klasse. 😉

Rainer
13 Tage zuvor

Fragt sich natürlich, was der Unterhalt von dem ganzen Drumherum ausserhalb der Garantie kostet.
Aber an und für sich ist das IMHO eine tolle Sache und jeder sollte das zumindest mal probefahren und in Erwägung ziehen.

Wenn man eh‘ einen EQS will, ist das IMHO fast ein No-Brainer wie die AHK.