Warum Schiebes Werksschließungs-Drohung taktisch unklug war

Mercedes-Produktionsvorstand Michael Schiebe hat bei einer Betriebsversammlung in Sindelfingen angekündigt, ein deutsches Aufbauwerk und ein Powertrainwerk zu schließen, sollten die Kosten in Deutschland nicht sinken. Konkret fordert der Konzern eine Wochenarbeitszeit von 40 statt 35 Stunden ohne Lohnausgleich. Ein Unternehmenssprecher bestätigte die Aussage gegenüber Medien. So verständlich der Kostendruck sein mag, so fragwürdig erscheint das Timing und die Offenheit dieser Drohung aus verhandlungstaktischer Sicht.

Ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt

Am 7. Oktober beginnen die Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie, und mit dem Auslaufen der bestehenden Verträge endet zum Monatsende auch die Friedenspflicht – am 31. Oktober 2026 um 24:00 Uhr. Wer sich kurz vor Verhandlungsbeginn öffentlich auf eine derart harte Position festlegt, nimmt sich selbst den Spielraum, den Verhandlungen eigentlich brauchen. Ein späteres Einlenken lässt sich dann kaum noch als Kompromiss verkaufen, sondern wirkt dann wie ein Gesichtsverlust – für beide Seiten also ein schlechter Ausgangspunkt.

Die Drohung trifft zudem auf eine Belegschaft, die längst mobilisiert ist. Schon im Juli protestierten bundesweit über 33.000 Beschäftigte unter dem Motto „Jetzt reicht’s!“ gegen genau diese Arbeitszeitpläne. Am Tag der Rede sollen sich allein in Sindelfingen rund 20.000 Mitarbeiter an einer weiteren Protestaktion beteiligt haben. In diesem ohnehin angespannten Klima wirkt eine offene Drohung nicht wie ein souveräner Führungsstil, sondern bestätigt genau das Bild, das die Gewerkschaft vom Management zeichnet: konfrontativ statt dialogbereit.

Auf Druck reagiert die Gegenseite erfahrungsgemäß nicht mit Nachgiebigkeit, sondern mit Verhärtung. Die IG-Metall-Bezirksleiterin Baden-Württemberg machte bereits klar, dass ein Wettbewerb um immer niedrigere Arbeitskosten nicht zu gewinnen sei. Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali warf dem Management vor, das Gespür für die Beschäftigten verloren zu haben. Eine Gewerkschaft, die sich öffentlich bereits festgelegt hat, lässt sich durch Ultimaten selten zum Einlenken bewegen – im Gegenteil, sie versteift sich eher auf ihre Position.

Die Schuldfrage kippt gegen das Management

Besonders riskant ist, wie eine solche Drohung die öffentliche Debatte verschiebt. Statt über gemeinsame Lösungen zu sprechen, geht es nun darum, wer die Krise verursacht hat. Der Gesamtbetriebsrat kontert entsprechend offensiv, die Ursachen der aktuellen Probleme – China-Geschäft, geopolitische Spannungen, Energiepreise – lägen nicht bei den Beschäftigten. Eine öffentliche Werksschließungs-Drohung liefert für diese Erzählung die perfekte Vorlage: Aus „gemeinsam den Standort sichern“ wird schnell „Management wälzt eigene Fehler auf die Belegschaft ab“.

Selbst wirtschaftlich ging die Rechnung zunächst nicht auf. Die Mercedes-Aktie verlor am Folgetag 1,7 Prozent und schloss bei 43,58 Euro. Das deutet darauf hin, dass Investoren die offene Eskalation eines Tarifkonflikts eher als Risikofaktor werten als als glaubwürdiges Signal für Kostendisziplin.

Die Gegenposition

Man kann einwenden, dass klare Kante auch Ernsthaftigkeit signalisiert – gerade angesichts realer Standortnachteile gegenüber Werken wie dem ungarischen Kecskemét, dessen Kapazität kürzlich deutlich ausgebaut wurde. Eine frühzeitige Drohung könnte der Belegschaft die Konsequenzen eines Neins bewusst machen, bevor die Verhandlungen beginnen. Ob dieses Kalkül aufgeht, wird sich erst zeigen, wenn die Tarifverhandlungen ab Oktober tatsächlich beginnen.

Bilder: Mercedes-Benz Group AG

 

40 Kommentare
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Neisyros
14 Tage zuvor

War Schiebe nicht für das C-Klasse AMG Desaster verantwortlich? Guter Mann…

Snoubort
Reply to  Neisyros
13 Tage zuvor

Er ist lediglich für das AMG GT EQ Desaster verantwortlich – zwei AMG only Modellreihen, keine Kunden.

Andreas
Reply to  Snoubort
13 Tage zuvor

Aha, ein Erleuchteter. EIn Fahrzeug davon ist gerdae auf den MArkt gekommen, eins noch gar nicht: Da kann noch niemand wissen ob es ausreichend Kunden gibt oder nicht

Snoubort
Reply to  Andreas
12 Tage zuvor

Doch, der gesunde Menschenverstand kann das wissen.

sternthaler
Reply to  Snoubort
13 Tage zuvor

ah die BR die „man nicht mehr rechtzeitig stoppen konnte in der Entwicklung“ . Wer hat es zu verantworten ?

JMK
Reply to  Snoubort
13 Tage zuvor

Also die Kontingente sind laut Pressemeldung bereits vergeben

Snoubort
Reply to  JMK
12 Tage zuvor

Diese Pressemitteilungen bei Neustarts, die auch dem EQS von Auftragseingängen auf S-Klasse Niveau gesprochen haben…

Womo
Reply to  Snoubort
13 Tage zuvor

Dann also auch für die Abschaffung des Transaxle-Getriebes und die Positionierung des Motors nicht mehr hinter der Vorderachse. Der Typ hat den GT begraben, nach einer erfolgreichen Erstgeneration…

Micha S.
Reply to  Snoubort
11 Tage zuvor

Hm, als ich letzte Woche meinen neuen E 53 im Werk Sifi abholte und die Werksführung mitnahm, hätte ich vorher nicht geglaubt, so viele fertige AMG GT 4-Türer Coupé (C 590) dort zu sehen. Klar, man kann sagen, die hätten mit Absicht nur ne niedrige Anzahl eingeplant, um schnell nen sold-out für 2027 zu verkünden. Aber es sah mir in der Tat nicht danach aus, als ob das ein Ladenhüter wird.

JMK
Reply to  Neisyros
13 Tage zuvor

Das war Tobi Moers

C@spa
13 Tage zuvor

Als ich vor 12 Jahren auf diese Seite aufmerksam geworden bin, ging es um Autos, Technik und Innovationen rundum Mercedes! Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass es hier nur noch um Aufrufzahlen und Klicks geht. Wenn ich was über „Giftspritzen“, endlose Anfeindungen untereinander und Bot-Kommentare lesen möchte, kann ich auch einfach Facebook öffnen. Wirklich schade was aus dieser Seite geworden ist..

Bernhard
Reply to  C@spa
13 Tage zuvor

Die Zeiten in denen Autos ein Spielzeug für Fans waren sind halt leider Vergangenheit. Das Auto ist auf vielfältige Weise mit dem Schicksal der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft verbunden und das spiegelt sich – sinnvollerweise- auf Foren wie diesem wieder.

Thomas
13 Tage zuvor

Grundsätzlich bin ich der Überzeugung, dass wir alle hierzulande angesichts der aktuellen Situation auf einige Privilegien verzichten sollten, um die Kosten für Arbeitsleistung zu senken: Weniger staatliche Ausgaben, Steuern runter. Vor dem Hintergrund sehe ich auch die Erhöhung der tariflich vereinbarten Wochenarbeitszeit als adäquates Mittel, Kosten zu senken, um den Standort Deutschland wirtschaftlich attraktiver zu machen.

Was aber bei allem nicht vergessen werden darf: Weniger Privilegien bedeuten für Mitmenschen am unteren Ende der Einkommensskala ungleich höhere Einschnitte. Auch am oberen Ende der Personalkosten pro Kopf sollte gespart werden. Wie wäre es, wenn eine Kürzung in Höhe von 13 % auch beim Gehalt aller nicht gewerkschaftlich organisierten Angestellten vorgenommen wird?

max
Reply to  Thomas
13 Tage zuvor

du kannst von mir aus umsonst arbeiten und trotzdem wird mercedes nicht in china gewinnen

Tobias
Reply to  max
8 Tage zuvor

Dass so ein unsachlicher Kommentar schon 17 Likes hat, sagt schon viel darüber aus, was in dieser Community nicht mehr funktioniert und wo man sich früher noch von anderen Foren unterscheiden konnte.
Wer nichts fachlich fundiertes beitragen kann, sollte es einfach bleiben lassen.
Meine Meinung – musste einfach mal sein – mein erster Kommentar dieses Jahr

Tobias
Reply to  max
8 Tage zuvor

Dass so ein unsachlicher Kommentar schon 17 Likes hat, sagt schon viel darüber aus, was in dieser Community nicht mehr funktioniert und wo man sich früher noch von anderen Foren unterscheiden konnte.
Wer nichts fachlich fundiertes beitragen kann, sollte es einfach bleiben lassen.
Meine Meinung – musste einfach mal sein – mein erster Kommentar dieses Jahr

Tobson
13 Tage zuvor

Glaube der muss das machen, nachdem er mitverantwortlich für den hässlichen Elektro AMG ist.

Edeltraut
Reply to  Tobson
13 Tage zuvor

Mich persönlich würde das auch mal interessieren, wie die Elektro AMG-Fahrzeuge ankommen, wieviel Bestelleingänge gekommen sind und wie die Werksauslastung aktuell ist. Und ob die Kunden auf die SUVs warten.

Zuletzt editiert am 13 Tage zuvor von Edeltraut
max
Reply to  Edeltraut
13 Tage zuvor

wenn’s gut wäre würde schiebe nicht zwei werke schließen wollen

Egon Müste
Reply to  max
13 Tage zuvor

Hey alles ist wunderbar. Vertraue nur den geprüften Medien und dann fühlst du den Wohlstand

Marco
Reply to  Egon Müste
13 Tage zuvor

Der feuchte Traum des faschistischen „Grundfunks“ lässt sich hier erahnen … gute Nacht! *facepalm*

Adnan
Reply to  Marco
12 Tage zuvor

wenn der Faschismus wieder kommt wird er sich nicht Faschismus nennen: er wird sich als Antifaschismus tarnen

Marco
Reply to  Adnan
10 Tage zuvor

Was für ein Schwachsinnskommentar!!! *facepalm*

Gemini
13 Tage zuvor

Also so beginnt es immer:
Werften-Sterben jetzt sind die Autobauer dran.

Von der Lohnerhöhung 2025 hat Mercedes 1 % einbehalten wegen schlechter Marge / Verkäufe,
Von der Lohnerhöhung 2026 wieder 1,55 % von Mercedes einbehalten.
Nachzahlung der Erhöhung garnicht vereinbart.
Ältere Mitarbeiter die jetzt oder in 5 Jahren in Ruhestand gehen haben 125,-€ monatlich weniger.

Sonderzahlung verschoben es wird noch ein Weg gesucht um es garnicht zuzahlen.

Länger Arbeiten bedeutet es wird weniger Personal gebraucht, weil damit werden nicht mehr Autos verkauft.
Außerdem Arbeiten viele schon 7,5 Stunden und Samstags.

Also es werden so oder so Werke geschlossen, weil das Mercedes Management den Anschluss verloren hat, und wenn das Personal umsonst arbeitet.

Bernhard
13 Tage zuvor

Eine Intereressante Insiderperspektive von Philip Raasch ist auf YT zu finden: Ursache des deutschen Problems ist zunächst die Commodisierung der Fahrzeugtechnologie durch reinen Zukauf der Kerntechnologien KI, Software und Batterie in CN und USA statt der verpassten Eigenentwicklung. Damit einhergehend Verlust der Differenzierung von den Wettbewerbern, was nur durch niedrige Preise kompensierbar wäre. Dazu passen aber dann weder Standortfaktoren noch Lohngefüge. DAS ist das Problemgefüge der deutschen Autoindustrie.

Stranger
Reply to  Bernhard
13 Tage zuvor

ja, sie beschreibt die Situation sehr gut: https://www.youtube.com/watch?v=MJcTlMP0880
Es geht um mehr als „aus Verbrenner wird E-Auto“, sondern Autos werden zukünftig anders gebaut, und die Herausforderungen für bestehende OEMs sind immens, da diese in ihrer bisherigen Vorgehendweise, die quasi komplett ersetzt wird, ein gutes Stück weit „gefangen sind“.
Die im Beitrag erwähnte Gartner-Studie zeigt, wie groß der Rückstand schon ist.

Insider ohne YouTube-Kanal
Reply to  Bernhard
9 Tage zuvor

„Insider“? Der hat mal fürs MB-Consulting gearbeitet, aber selbst überhaupt nichts entwickelt, produziert oder entschieden. Viele seiner Takes mögen auf YouTube funktionieren, haben aber nichts mit der Realität, die ich seit mehr als 15 Jahren in dem Laden erlebe, zu tun…

Sternthaler
13 Tage zuvor

das „Störfeuer“ Kosten wurde doch ganz bewusst im Juni von Herrn M.B. gelegt und der Herr S. feuert termingerecht vor der Elektrorunde weiter . . Nun muss nichts mehr erster werden ..Besonders weil die aiG M für jeden MA Dank der letzten NLP Runde eh 50% Nachlass für jeden erreicht hat …

Jöhrg
13 Tage zuvor

warum provoziert Schiebe so medienwirksam? Bestimmt nicht um wirklich etwas zu bewirken. Ohm geht es vielmehr um seine eigene Karriere. So wird man sichtbar und kann sich beim Aufsichtsrat als starker Mann iund potentieller NachfolgerOlas positionieren.
Bleibt nur zu hoffen, dass er damit scheitert

Jöhrg
13 Tage zuvor

warum provoziert Schiebe so medienwirksam? Bestimmt nicht um wirklich etwas zu bewirken. Ohm geht es vielmehr um seine eigene Karriere. So wird man sichtbar und kann sich beim Aufsichtsrat als starker Mann iund potentieller NachfolgerOlas positionieren.
Bleibt nur zu hoffen, dass er damit scheitert

Gernot
12 Tage zuvor

Interessanter Move. Es ist recht einfach die zwei betroffenen Standorte zu identifizieren. Damit kann man den verbleibenden Standorten etwas die Angst nehmen. Man darf gespannt sein, wie konsequent die Gewerkschaft jetzt Geschlossenheit erzeugen kann.

Tobson
12 Tage zuvor

Hätte man wirklich mal wieder echt begehrenswerte Modelle und das in super Qualität – dann wäre das mit made in Germany überhaupt kein Thema.

Ich weiß nicht, warum die keinen wirklich roten Faden mehr haben bei der aktuellen Modellpolitik. Wacht doch endlich mal auf und kapiert, dass der VLE scheiße hässlich ist und ein V8 Sound halt kein V8 Sound ist und und und….

Dominic
12 Tage zuvor

Als ich den das erste Mal gesehen hab, war der mir von Anfang an unsympathisch. Das bewahrheitet sich Zunehmend mehr. Der ist definitiv falsch. So ein Charakter der dir nicht den Rücken deckt, sondern dir in den Rücken fällt.

Zuletzt editiert am 12 Tage zuvor von Dominic
Egon Müste
Reply to  Markus Jordan
11 Tage zuvor

Es ist ein Stechen und Hacken. Nur gegen Ende wird es halt für jeden sichtbar. Das war immer schon so

Egon Müste
Reply to  Markus Jordan
11 Tage zuvor

es wird noch viel härter werden. Sie werden sich selbst begraben. Wir müssen nur zuschauen.

Edeltraut
Reply to  Markus Jordan
11 Tage zuvor

Was hat er damals über dich gesagt und in welchem Zusammenhang?
Das ist ein aalglatter Typ, der immer noch meint Mercedes hat die attraktivsten und tollsten Produkte, aber das reden die sich alle schon Jahre ein….

Die Kunden sind dumm und unfähig die gelungenen Designs und tollen 4-Zylinder AMG zu begreifen.

Tobson
Reply to  Markus Jordan
11 Tage zuvor

Den Vertrieblern, deren Glaskugel seit Langem verschmiert ist…..ich sag nur CLA L