Mit der neuen S-Klasse bietet Mercedes-Benz den größten Luxus auf vier Rädern an und kommt in der aktuellen Baureihe 223 sowohl mit 6- wie auch mit 8-Zylinder Motoren. Die 12-Zylinder Varianten bleibt hingegen bekanntlich dem Maybach sowie der Guard-Variante vorbehalten.  Wir haben uns den S 500 4MATIC auf über 1.000 km Fahrstrecke angesehen.

Ob der nun verbaute 6-Zylinder im 500er Kompromisse erfordert?

Während man die neue Generation der S-Klasse aus einer mehr als 60-seitigen Preisliste individuell zusammenstellen kann, stellt sich vorab der Ausstattung und der Längenvariante wohl zuerst eine Frage: welche Motorisierung passt zum individuellen Fahrprofil und welcher Leistungsvariante passt überhaupt zum Modell. Muss es ein 8-Zylinder sein, oder bietet auch eine 6-Zylinder Variante einen ausreichenden Fahrkomfort für eine Limousine im Luxussegment?

 

Wer es bislang gewohnt ist, bei seiner S-Klasse Bestellung gewohnt zum S 500 mit seinen 8-Zylindern zu greifen, muss sich spätestens mit der neuesten Baureihe der Luxuslimousine von Mercedes-Benz umstellen. Während der S 500 4MATIC nun mit 6-Zylinder und 48 Volt Bordtechnik vom Band läuft, muss es für 8 Zylinder schon die S 580 Variante sein. Auch wenn man beide Varianten sowohl als Lang-, wie auch Kurzversion bestellen kann bleibt die eine Frage offen: genügt der Fahrkomfort eines elektrifizierten Reihen-Sechszylinders mit EQ-Boost die hohen Ansprüche?

Der S 500 4MATIC - genügen auch 6-Zylinder dem Luxusanspruch ?

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Solider Antrieb in der S-Klasse

Der S 500 4MATIC in der S-Klasse zeigt sich bei unserem Fahrtest vor allen als gut gedämmt, wobei das 48-Volt Bordnetz samt Riemen-Starter-Generator dem 6-Zylinder mehr als vorteilhaft steht. Einen samtigen Sound eines gewohnten 8-Zylinders erreichen die Maschine mit zwei weniger Töpfen zwar nicht, wobei der Antrieb mit E-Boost jedoch beachtliche 457 PS leistet (435 PS/320 kW zzgl. 16 kW / 22 PS EQ-Boost). Der Verbrenner schiebt die über zwei Tonnen schwere Limousine dabei innerhalb von 4.9 Sekunden auf die 100 km/h Marke und überschreitet innerhalb von unter 10 Sekunden die 150 km/h auf dem Digitaltacho. Lust auf mehr Leistung kommt dabei wohl nicht so schnell auf. Dabei schiebt der Motor die S-Klasse schon im unterem Drehzahlbereich spritzig an und reagiert direkt auf Gaspedalbewegungen. Der Motorlauf ist dabei weich und ohne Ruckeln, aber auch Vibrationen sucht man vergeblich.

Der S 500 4MATIC - genügen auch 6-Zylinder dem Luxusanspruch ?

Grundsätzlich arbeitet der Motor dezent im Hintergrund und meldet sich so schnell auch nicht lautstark oder störend zurück. Unter Last wirkt der Antrieb jedoch leicht rauer, neigt aber niemals zur Aufdringlichkeit.

Beim Verbrauch zeigt sich die S-Klasse ebenfalls von einer sehr guten Seite. Während man bei einer entspannten Autobahnfahrt Verbräuche von unter neun Liter erreichen kann, sind im Stadtverkehr real – dann aber auch mit einigen Vollastanteilen – noch deutlich unter 10 Liter (Super Plus) Verbrauch zu verzeichnen. Hier bemerkt man wohl auch deutlich die Arbeit der Aerodynamiker der Stuttgarter, die dem Modell einen Luftwiderstandsbeiwert von (bestenfalls – je nach Ausstattung) 0,22 ermöglicht haben.

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Bei den Geräuschen zeigt sich der S 500 4MATIC eindeutig auf typischen S-Klasse Niveau. Bis etwa 80 km/h bemerkt man dabei so gut wie keine Fahrgeräusche. Meist vernimmt man wenn nur das leichte Säuseln der Klimaanlage oder die Motoren der Sitzmassage, wenn dem Fahrer gerade danach ist.

Sitzkomfort

Erwartungsgemäß bieten die Sitze der neuesten S-Klasse Generation bestes, was auch auf die Multikontursitze vorne mit zahlreichen Einstellmöglichkeiten und Massageprogrammen zutrifft. Das ist aber auch eine wichtige Basis, um auch nach stundenlanger Fahrt tiefenentspannt und ohne Ermüdungserscheinigung aus dem Fahrzeug zu steigen. Dies gilt auch für die Sitze im Fond, wobei auch der Kopfraum, Ellbogen- sowie die Beinfreiheit über jeden Zweifel erhaben sind. Letzteres ist gerade in der Langversion der neuen S-Klasse noch großzügiger.

Zusätzlich liefert Mercedes-Benz in der Mittelarmlehne das MBUX Fond-Tablet, worüber nicht nur die Ambientebeleuchtung und Co eingestellt werden kann, sondern auch im Internet gesurft werden kann. Das mag wohl Geschmackssache zu sein, für unsere Ansprüche ist das Tablet zwar nett, aber irgendwie auch sinnlos.

Der S 500 4MATIC - genügen auch 6-Zylinder dem Luxusanspruch ?

Federung

In Serie liefert man das Oberklassemodell mit einer Mehrkammer-Luftfederung mit integrierter Niveauregulierung aus, die auch gröbste Verwerfungen in der Fahrbahn abgeglättet. Welligen Fahrbahn wird sanft ausgebügelt, wobei auch üblere Straßenverhältnisse ausgeglichen und meist auch ziemlich minimiert wird. Bei den Fahrzeuginsassen kommt dabei meist sehr wenig an – aber genau so soll es ja auch sein und entspricht den Erwartungen in der Oberklassenlimousine.

Der S 500 4MATIC - genügen auch 6-Zylinder dem Luxusanspruch ?

Lenkverhalten

Die Lenkung der S-Klasse ist besonders feinfühlig und direkt, gibt aber auch Rückmeldung von der Straße an den Fahrer. In Zusammenarbeit mit der (optionalen) Hinterachslenkung von bis zu 10 Grad ist es jedoch ein Genuß, die S-Klasse mit ihren doch sehr langen Außenabmessungen im Fahralltag in den Städten zu bewegen – und das gilt nicht nur für das Parken. Mit einem Wendekreis von rund zehn Metern bewegt sich das Fahrzeug mit seiner Wendigkeit nahezu auf Kleinwagen-Niveau. So wirkt eine 5,30 Meter lange Limousine gar nicht mehr so groß und begeistert regelrecht beim Fahren. Hilfreich ist die mitlenkende Hinterachse aber auch außerhalb von Ortschaften, wo sie für mehr Stabilität und Spurtreue sorgt.

Der S 500 4MATIC - genügen auch 6-Zylinder dem Luxusanspruch ?

Fazit: 6-Zylinder im Luxus-Segment

Das man der neuen S-Klasse keinen unpassenden Motor verpasst, war wohl auch schon vorab zu erwarten. Mit dem 6-Zylinder als S 500 4MATIC ist man aber nicht untermotorisiert, sondern kann sehr entspannt von A nach B reisen. Der Reihensechszylinder passt zur S-Klasse bezüglich Leistung, Verbrauch und Durchzug, auch wenn ein 8-Zylinder eine Spur stärker und im Arbeitsgeräusch auch noch etwas ruhiger und dezenter ist. Dafür ist der 6-Zylinder deutlich sparsamer im Verbrauch und zeigt auch bei den Co2-Emissionen einen erheblichen Abstand zur rund 6.000 Euro teureren S 580 4MATIC Variante.

Die größere Umstellung ist wohl die gewohnte Bezeichnung als S 500, der bislang mit einen 8-Zylinder in Verbindung gebracht werden konnte. Der Reihen-Sechser positioniert sich aber auf dem Leistungsniveau eines bisherigen 8-Zylinders mit tatsächlich gute Leistungs- und Verbrauchswerten. Manchmal ist weniger wohl nicht unbedingt mehr, aber ausreichend gut.

Bilder: MBpassion.de