Mercedes hält an Einschichtbetrieb der S-Klasse fest

Mercedes-Benz wird die Produktion der S-Klasse in der Factory 56 in Sindelfingen entgegen früherer Planungen vorerst nicht wieder auf einen Zweischichtbetrieb umstellen. Die ursprünglich für den Sommer vorgesehene Ausweitung der Fertigung wurde aufgrund der anhaltend schwachen Nachfrage nach den Oberklassemodellen wieder abgesagt.

Noch Ende April beziehungsweise Anfang Mai 2026 hatte der Stuttgarter Hersteller im Zuge des Produktionsanlaufs der überarbeiteten S-Klasse, der Mercedes-Maybach S-Klasse sowie des EQS angekündigt, die Fertigung im Sommer wieder auf zwei Schichten auszubauen. Betriebsratschef Ergun Lümali hatte damals erklärt, dass die logistischen Vorbereitungen bereits laufen würden und die Rückkehr zur zweiten Schicht vorgesehen sei.

Aus den Plänen wird nun jedoch nichts. Stattdessen bleibt die Factory 56 vorerst im Einschichtbetrieb – arbeitet aber dafür teils nun auch Samstags. Damit reagiert Mercedes-Benz auf die weiterhin verhaltene Nachfrage im Top-End-Segment, insbesondere in wichtigen Absatzmärkten wie China – wie die letzten Quartalszahlen auch belegen.

Bereits seit Oktober 2024 werden S-Klasse und EQS in Sindelfingen nur noch in einer Schicht gefertigt. Die zwischenzeitlich erwartete Markterholung hat sich bislang offenbar nicht in dem Umfang eingestellt, der eine erneute Ausweitung der Produktion rechtfertigen würde. Zwar laufen die überarbeiteten Modelle inzwischen regulär vom Band, die Produktionskapazitäten werden jedoch weiterhin an die tatsächliche Nachfrage angepasst.

Für die Beschäftigten bedeutet die Entscheidung, dass die im Frühjahr in Aussicht gestellte Rückkehr zusätzlicher Schichten zunächst ausbleibt. Mercedes setzt damit seinen flexiblen Produktionskurs fort und passt die Auslastung der Factory 56 weiterhin an die Entwicklung der internationalen Märkte an.

Bilder: Mercedes-Benz Group AG

13 Kommentare
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Alpaka
6 Tage zuvor

Mercedes-Benz spricht bei den neuen und überarbeiteten Modellen von einem hohen Auftragseingang und einer positiven Kundenresonanz. Der anfängliche Auftragseingang dürfte jedoch vor allem von First Movern, Händlern, Mitarbeitern sowie gewerblichen Kunden wie Autovermietern und Leasinggesellschaften getragen worden sein. Entscheidend wird sein, wie sich die Nachfrage nach sechs bis zwölf Monaten entwickelt, wenn diese Käufergruppen versorgt sind.

Denn ein Einschichtbetrieb bei einem Neuanlauf oder einer umfassenden Modellpflege (Mopf) ist kaum ein Indiz für eine aussergewöhnlich starke Marktnachfrage – auch wenn die Unternehmenskommunikation einen anderen Eindruck vermittelt. Die kritischen Reaktionen auf das Design der neuen Modelle im Portfolio lassen Zweifel aufkommen, ob die kommunizierte Kundenresonanz die tatsächliche Marktnachfrage widerspiegelt.

Die ehrlichste Form der Nachfrage kommt von Privatkunden, die ihren Neuwagen selbst finanzieren. Flottenzulassungen, Händlerbestände oder Mitarbeiterfahrzeuge können den Auftragseingang stützen – sie sind jedoch nur bedingt ein Maßstab für die tatsächliche Nachfrage am Markt.

Quenti
Reply to  Alpaka
5 Tage zuvor

Ich würde normalerweise zustimmen. Hier gibt es aber andere Faktoren. Die Oberklasse funktioniert generell anders und hat weniger starke Wellen bei der Nachfrage.

Die Gründe sind hier einfacher:

  • EQS ist einfach ein Flop. Läuft in vielen Ländern gar nicht und beim Rest auch nicht gut. Das ist einfach nicht das was man technisch in dem Segment erwartet
  • S-Klasse: Eher ein generelles Problem. Die Oberklasse hängt stark an China und USA. Erstere kaufen aber kaum noch europäische Modelle. Selbst wenn die S-Klasse super toll wäre, wären Absatzprobleme zu erwarten. Die Schwierigkeiten sieht man doch auch bei der Konkurrenz. Bis auf BMW sind fast alle Konkurrenten ausgestiegen. Sogar Audi hat den A8 auslaufen lassen.

Ich werfe MB viel vor. Aber bei der S-Klasse hängt es einfach an China. Den EQS haben sie sich selbst zuzuschreiben.

Sven Keller
5 Tage zuvor

730 Mio. EUR High-Tech und trotzdem Leerlauf: Das ökonomische Dilemma bei Mercedes-Benz
Die Nachricht, dass Mercedes-Benz den geplanten Zweischichtbetrieb in seinem Vorzeigewerk in Sindelfingen absagt, war nur das Vorbeben. Die am 8. Juli veröffentlichten globalen Absatzzahlen für das Q2 zeigen das ganze Ausmass der Krise im Luxussegment – und verheissen nichts Gutes für die anstehenden Halbjahreszahlen Ende Juli.

Die harten Fakten aus dem Q2-Bericht:

  • Das China-Desaster: Im wichtigsten Einzelmarkt brach der Absatz im zweiten Quartal um dramatische 30 % ein (auf 98.600 Fahrzeuge).
  • Rückgang der Cash-Cows: Weltweit verlor Mercedes im margenstarken Top-End-Segment 10 % an Boden. Der globale Pkw-Absatz sank um 8 %.

Das BWL-Dilemma der Factory 56:
Ein Investitionsvolumen von über 730 Millionen Euro allein für die Halle erzeugt einen gigantischen, starren Fixkostenblock aus Abschreibungen. Wenn die S-Klasse und der EQS nun dauerhaft im Einschichtbetrieb laufen, entstehen massive Leerkosten (Kosten für ungenutzte Kapazitäten). Die fehlende Fixkosten-Degression drückt die Stückrendite der wichtigsten Gewinnbringer in den Keller.

Warum das Werk nicht einfach mit Volumenmodellen (wie der C- oder E-Klasse) aufgefüllt wird?
Auch wenn die Fabrik maximal flexibel konzipiert wurde, spricht die Praxis dagegen:
1️⃣ Logistischer Overload: Das Einschleusen komplett anderer Just-in-Sequence-Lieferketten mindert die Effizienz der hochgradig individualisierten Luxusmontage.
2️⃣ Margen-Struktur: Margenschwächere Modelle rechnen sich am extrem teuren High-Tech-Standort Sindelfingen kaum und würden zudem in ihren eigenen, hochoptimierten Werken neue Löcher aufreissen.
Lichtblick E-Mobilität?
Einziger Trost im Q2-Bericht: Der weltweite Absatz vollelektrischer Fahrzeuge (BEV) stieg um 51 % (in Europa sogar um 87 %). Doch das starke EV-Wachstum wird den massiven Einbruch des hochprofitablen Verbrenner-Luxusgeschäfts in China in der Bilanz Ende Juli kaum kompensieren können.

Was ist Ihre Meinung: Muss Ola Källenius seine strikte „Margin over Volume“-Luxusstrategie jetzt korrigieren, oder ist das Aussitzen der China-Schwäche der einzig logische Weg?

Pano
Reply to  Sven Keller
5 Tage zuvor

Schön abgeschrieben, Svenni. Kriegst ein Fleißbienchen 🙂

Zuletzt editiert am 5 Tage zuvor von Pano
PupNacke
Reply to  Pano
5 Tage zuvor

Copy&Paste aus der KI…

Sven Keller
Reply to  Pano
5 Tage zuvor

Ja wenn der Bericht weniger hergibt als „gratis“ google ist die Luxusstrategie noch fragwürdiger 😉

Alexander Will
5 Tage zuvor

Das müssen alles fake news sein. Ola ist bei seinen Auftritten energiegeladen, charmant, witzig, positiv. Das spiegelt aus meiner Sicht die Realität wieder.

JM13
Reply to  Alexander Will
5 Tage zuvor

Ola ist ein Schauspieler inkl. seiner weiteren Vorstandskollegen und zieht eine Show ab. Das wirkt wenig authentisch.

Egon Müste
Reply to  JM13
4 Tage zuvor

es gibt in der Fürhung egal in welcher Firma man schaut nur Darsteller. Inkl der sogenannten „Regierungen“ in der EU.

G Fahra
5 Tage zuvor

Tja, Facelift lohnt halt nicht, vor allem dann auch der doofe schwarze Rahmen um den Kühlergrill, der bei jeder anderen Karosseriefarbe wie ein Fremdkörper wirkt… dazu nochmal Preise angehoben… Hier fährt Ola den Luxus persönlich an die Wand…

Quenti
Reply to  G Fahra
4 Tage zuvor

„Lohnt nicht“ ist zu kurz gedacht. Eine Mopf bringt in dem Segment nie massig Kunden, schon gar nicht beim Verbrenner.
Oberklasse in Europa und Nordamerika hat eine kleine aber feste Kundschaft (CEO o.ä.). Man kann der Konkurrenz Kunden abjagen aber egal wie toll ein Facelift ist, gewinnt man kaum Kunden aus anderen Segmenten. Und in China ist es sicherlich auch eine politische Frage ob man dort deutsche Oberklasse kauft – und selbst wenn ist es eher eine Sache der Überzeugung.

Warum dann überhaupt Mopf? Um nicht die Kunden an BMW zu verlieren und die bisherigen A8-Fahrer abzugreifen. Und insbesondere ganz viel Image. Wer sich als Premium und tendenziell oberhalb der Konkurrenz präsentieren will, kann keine unterlegene Oberklasse anbieten.

Beim EQS sind die Regeln etwas anders. Hier herrscht etwas mehr Mobilität unter den Segmenten. Ein sehr überzeugendes Modell könnte Kunden die sonst keine S-Klasse fahren würden gewinnen – nur ist der EQS technisch nicht überzeugend.

Rainer
5 Tage zuvor

Man muss halt schauen, wie man diese Modelle gewinnbringend produzieren und verkaufen kann. Die Stückzahlen werden IMHO kaum noch steigen.

Peter Hagemann
4 Tage zuvor

Mein EQS wird im August gebaut. Diesen habe ich diesmal gekauft/Vorführwagen-Option. Eine Garantieverlängerung im dritten Jahr werde ich nicht mehr kaufen. Entweder es geht ein mögliches Problem auf Kulanz oder ein Markenwechsel wird nach 30 Jahren vollzogen. Andere Hersteller mit sechs oder sieben Jahren Garantie und weitaus besseren Preisen sind angesagt.

Also Mercedes:

Preise senken, Garantie ausweiten und das Chinageschäft auslaufen lassen. Auf dem E-Sektor ist mit unseren heimischen Marken im asiatischen Raum preislich nichts mehr zu stemmen.