Auf der IAA Transportation in Hannover hat Mercedes-Benz Trucks zuletzt mit dem eActros Lowliner eine Neuheit vorgestellt, die ein bislang ungelöstes Problem der Elektromobilität im Fernverkehr adressiert: den Transport von Mega-Trailern mit maximalem Ladevolumen. Das Ergebnis ist ein Fahrzeug, das gleich mehrere handfeste Vorteile für Speditionen vereint.
Nahtlose Integration in bestehende Flotten
Der größte Trumpf des Lowliner ist seine niedrige Aufsattelhöhe, die exakt an vergleichbaren Diesel-Lkw orientiert ist. Möglich wird das durch eine clevere technische Lösung: Die Batteriepakete verlaufen längs statt quer zum Fahrzeugrahmen und benötigen dadurch deutlich weniger Bauraum in der Höhe.
Der Nutzen für Speditionen ist dabei enorm: Mega-Trailer halten die gesetzlich zulässige Gesamthöhe ein und bieten trotzdem eine Innenraumhöhe von bis zu drei Metern. Damit lässt sich der eActros Lowliner ohne Umbauten oder Sonderlösungen direkt in bestehende Transportabläufe und Flottenstrukturen einfügen – ein entscheidender Wettbewerbsvorteil für Unternehmen, die den Umstieg auf Elektromobilität bislang für ihr Volumengeschäft für unpraktikabel hielten.
Zwei Batterie-Konfigurationen
Speditionen können exakt die Variante wählen, die zu ihrem Geschäftsmodell passt:
- eActros 400 Lowliner (zwei Batteriepakete, 414 kWh): punktet mit geringerem Fahrzeuggewicht und ermöglicht dadurch bis zu rund 24 Tonnen Zuladung – ideal für Betriebe, bei denen jedes Kilogramm Nutzlast zählt.
- eActros 600 Lowliner (drei Batteriepakete, 621 kWh): bietet bei voller Beladung rund 500 Kilometer Reichweite und damit maximale Reichweitenabsicherung für lange Strecken.
Ein zusätzlicher Pluspunkt für die Praxis: Da Volumentransporte oft mit geringerem Gesamtzuggewicht einhergehen, fällt die tatsächliche Reichweite im Alltag häufig sogar höher aus als der Referenzwert – ein Vorteil, von dem Diesel-Fahrzeuge nicht profitieren.
Kurze Ladezeiten
Serienmäßig lädt der Lowliner mit bis zu 400 kW über CCS2 – je nach Konfiguration in nur 46 Minuten (zwei Batteriepakete) oder 70 Minuten (drei Batteriepakete) von 10 auf 80 Prozent. Das sind Standzeiten, die sich problemlos in gesetzlich vorgeschriebene Lenkpausen integrieren lassen.
Und es kommt noch besser: Ab dem zweiten Halbjahr 2027 ermöglicht der optionale Megawatt Charging Standard (MCS) Ladeleistungen von bis zu 1.000 kW. Damit sinkt die Ladezeit auf unter 30 Minuten – ein Wert, der beim Thema Standzeiten fast an klassisches Dieseltanken heranreicht und die Wirtschaftlichkeit elektrischer Fernverkehrsflotten weiter erhöht.
Sicherheits- und Komforttechnik
Der Lowliner erbt das komplette technologische Rüstzeug des eActros 600 – ohne Abstriche. Eine neue Elektronikplattform mit 20-fach höherer Rechenleistung und sechs Sensoren deckt 270 Grad rund um das Fahrzeug ab und hebt Systeme wie Active Brake Assist 6 Plus, Active Sideguard Assist 3 und Active Drive Assist 3 auf ein neues Niveau – teils über die gesetzlichen Anforderungen der EU-General Safety Regulation hinaus. Der Attention Assist 2 mit Infrarotkamera erhöht zusätzlich die Fahrsicherheit auf langen Strecken.
Für die Fahrer zahlt sich das auch im Komfort aus: Die aerodynamisch optimierte ProCabin bietet ebenen Boden, hochwertige Betten mit Lattenrost, verbesserte Sitzheizung, Ambientebeleuchtung und viele weitere Annehmlichkeiten – ein klarer Vorteil bei der Fahrerbindung in Zeiten von Fahrermangel. Das Multimedia Cockpit Interactive 2 liefert zudem eine speziell auf Ladeinfrastruktur abgestimmte Navigation und erhöht so die Planungssicherheit im Alltag.
Deutliche CO₂-Einsparungen
Auch klimatisch punktet der Lowliner klar gegenüber einem vergleichbaren Diesel-Actros: Beim durchschnittlichen EU-Strommix sind CO₂-Einsparungen von rund 40 Prozent möglich, bei ausschließlicher Nutzung von Ökostrom sogar über 80 Prozent über einen zehnjährigen Fahrzeug-Lebenszyklus. Der anfänglich höhere CO₂-Fußabdruck durch die Batterieproduktion amortisiert sich bei Nutzung von Ökostrom bereits nach rund 77.000 Kilometern – für Speditionen mit Nachhaltigkeitszielen ein starkes Argument.
Fehlende Baustein für die Elektrifizierung des Volumentransports
Mit dem eActros Lowliner schließt Mercedes-Benz Trucks eine Lücke, die bislang viele Speditionen von der Elektromobilität fernhielt. Die Kombination aus diesel-typischer Aufsattelhöhe, wählbarer Reichweite und Zuladung, schnellem Laden, modernster Sicherheitstechnik und spürbaren CO₂-Einsparungen macht den Lowliner zu einer der überzeugendsten Lösungen für den elektrischen Fernverkehr – ganz ohne Kompromisse beim Ladevolumen.
Marktstart: Bestellbar ab dem dritten Quartal 2026 in den EU30-Märkten und weiteren internationalen Märkten. Serienproduktion im Werk Wörth ab dem zweiten Quartal 2027.









