Trockenstress, lückige Grasnarben und immer engere Zeitfenster stellen Grünlandbetriebe und Lohnunternehmen vor neue Herausforderungen. Beim Grünlandtag am 18. September 2026 im hessischen Linsengericht standen deshalb Boden, Bestand, Nachsaat und die dazu passende Technik im Mittelpunkt. Auf dem Betrieb des Lohnunternehmers Frank Scholz wurde mit einem Mercedes-Benz Unimog U 435 Agrar und Grünlandtechnik von SAPHIR auch eine interessante Kombination für den überbetrieblichen Einsatz präsentiert.

Der Unimog U 435 Agrar mit entsprechender Grünlandtechnik von Saphir ist ein Zugewinn für den Landwirt
Gastgeber Frank Scholz ist nicht nur Lohnunternehmer, sondern auch Vizepräsident des Bundesverbandes Lohnunternehmen (BLU) und Präsident des hessischen Lohnunternehmerverbandes. Bereits zur Eröffnung verwies er auf die zunehmenden Herausforderungen durch Trockenstress, schwierige Witterungsbedingungen und den wirtschaftlichen Druck auf Landwirtschaft und Lohnunternehmen.
Entsprechend breit war die Veranstaltung aufgestellt. Hufgard Kalk, die Deutsche Saatveredelung (DSV) und die Raiffeisen Waren GmbH beleuchteten unterschiedliche Aspekte des Grünlandmanagements. Georg Englert vom Kalkwerk Hufgard und Andreas Werner von der DSV vermittelten Fachwissen zu Bodenfruchtbarkeit, Kalkung und Grünlandbeständen.
Für die praktische Technik standen SAPHIR Maschinenbau und Merbag Mitte-West.
Grünlandpflege beginnt beim Bestand
Eine erfolgreiche Nachsaat beginnt nicht erst mit dem Ausbringen des Saatgutes. Verfilzungen und abgestorbenes Pflanzenmaterial müssen aus der Grasnarbe gearbeitet und vorhandene Lücken für die Nachsaat vorbereitet werden. Ziel ist eine dichte, konkurrenzstarke Grasnarbe als Grundlage für leistungsfähiges und hochwertiges Grundfutter.
Für diese Aufgabe setzte SAPHIR in Linsengericht auf den Konturstriegel Perfekt KS 601.
Das sechs Meter breite Gerät verfügt über vier parallelogrammgeführte Zinkenfelder mit jeweils vier Werkzeugbalken. Zusätzlich können sich die Seitenteile über Zylinderlanglöcher um bis zu fünf Grad nach unten anpassen. Auch das Oberlenkerlangloch unterstützt die Anpassung an Bodenunebenheiten – der Name Konturstriegel kommt somit nicht von ungefähr.

Der Unimog U 435 zieht Souverän den Konturstriegel KS 601 mit Zahnringwalze ZR 620 über das Grünland. Hohe Fahrgeschwindigkeiten, bei denen der Fahrer noch bequem Sitzen kann, ist für den Unimog keine Kunst.
Das Herzstück bilden die 10 Millimeter starken Zinken. Durch ihr Eigenvibrationsvermögen lösen sie Verfilzungen und abgestorbenes Pflanzenmaterial und erzeugen gleichzeitig Feinerde für die anschließende Nachsaat.
Die Zinkenhöhe wird über die vorderen und hinteren Stützräder eingestellt. Beim eingesetzten Gespann ließ sich zusätzlich der Zinkenwinkel über die optionale hydraulische Zinkenverstellung verändern. Dadurch kann die Arbeitsintensität dem jeweiligen Bestand angepasst werden.
Als Vorwerkzeug kommt die SAPHIR-typische Impulsschiene zum Einsatz. Sie egalisiert Bodenunebenheiten und soll durch das gezielte Reizen des Haupttriebes zugleich die Neubestockung fördern.
Für die Nachsaat war ein SAPHIR DrillStar 300E mit elektrischem Gebläse montiert. SAPHIR setzt hierbei auf Streutechnik von APV. Alternativ sind Varianten mit hydraulischem Gebläse sowie ISOBUS-Steuerung erhältlich.
Die Arbeitsgeschwindigkeit des KS 601 liegt bei 8 bis 12 km/h. In Verbindung mit einer Walze nennt SAPHIR einen Leistungsbedarf von rund 117 kW beziehungsweise 160 PS.

Der Unimog U 529 vom Weingut Sonnenhof
Zahnringwalze ZR 620 sorgt für Bodenschluss
Hinter dem Konturstriegel arbeitete die SAPHIR Zahnringwalze ZR 620 mit 6,20 Metern Arbeitsbreite und insgesamt 116 Zahnringen.
Neben Einebnung und Rückverfestigung übernimmt sie gerade bei der Nachsaat eine wichtige Funktion. Gröbere Bodenbestandteile werden an der Oberfläche abgelegt und können dort als Erosionsschutz wirken, während Feinerde im Saathorizont verbleibt. Gleichzeitig wird der notwendige Bodenschluss hergestellt.
In der druckluftgebremsten Ausführung wiegt die ZR 620 rund 3.270 Kilogramm. Für das komplette Gespann ist eine 40-km/h-Abnahme möglich – ein wichtiger Punkt für den überbetrieblichen Einsatz.
Interessant ist zudem die vielseitige Nutzung der Walze. Neben dem Grünland kann sie solo beispielsweise zur Saatbettbereitung, zur mechanischen Schneckenbekämpfung oder im Nacherntemanagement eingesetzt werden. Damit verbessert sich die mögliche Jahresauslastung deutlich.
Merbag bringt den U 435 Agrar auf die Fläche
Einen wichtigen Beitrag zur Veranstaltung leistete Merbag Mitte-West. Das Unternehmen stellte den eingesetzten Unimog U 435 in Agrarausstattung zur Verfügung und engagierte sich gemeinsam mit den Partnern bei der Umsetzung des Praxiseinsatzes.
Für Merbag Mitte-West war unter anderem Gebietsleiter Marc Oliver Pakirnus vor Ort. Gerade solche gemeinsamen Einsätze von Fahrzeug- und Geräteherstellern sind wichtig, wenn der Unimog wieder stärker für landwirtschaftliche Anwendungen positioniert werden soll.
Der U 435 wird vom Mercedes-Benz Sechszylinder OM 936 mit 7,7 Litern Hubraum angetrieben. Mit 260 kW beziehungsweise 354 PS und einem maximalen Drehmoment von 1.380 Nm stehen ausreichende Leistungsreserven für anspruchsvolle Gerätekombinationen zur Verfügung.
Permanenter Allradantrieb, Portalachsen und Schraubenfedern gehören zu den typischen konstruktiven Merkmalen des Unimog. Je nach Ausführung ist ein zulässiges Gesamtgewicht von bis zu 14 Tonnen möglich.
Für landwirtschaftliche Anwendungen kommt jedoch noch eine andere Eigenschaft hinzu: die hohe Mobilität auf der Straße.

Ebenfalls ausgestellt waren ein Unimog U 2100 Agrar und ein U 529 Agrar
Wenn Transportzeit zum Wirtschaftsfaktor wird
Genau hier liegt für Michel Kaiser, Produktexperte Unimog Agrar und Autor dieses Beitrags, einer der entscheidenden Ansätze für den landwirtschaftlichen Einsatz des Unimog.
Der Unimog soll den klassischen Ackerschlepper nicht ersetzen. Interessant wird das Fahrzeug vielmehr dort, wo Feldarbeit und hohe Transportanteile miteinander verbunden werden.
Eine einfache Modellrechnung verdeutlicht das: Liegt eine Einsatzfläche 20 Kilometer entfernt und erreicht ein klassisches Gespann auf der Strecke durchschnittlich 35 km/h, dauert die Fahrt rechnerisch rund 34 Minuten. Bei durchschnittlich 60 km/h reduziert sie sich auf etwa 20 Minuten.
Das sind rund 14 Minuten Unterschied je Fahrt – bei Hin- und Rückweg bereits fast eine halbe Stunde.
Natürlich hängt die tatsächliche Fahrzeit von Straßenführung, Verkehr und den zulässigen Geschwindigkeiten des jeweiligen Gespanns ab. Das Beispiel zeigt jedoch, warum bei Lohnunternehmen und Betrieben mit weit auseinanderliegenden Flächen nicht allein die Hektarleistung auf dem Feld betrachtet werden darf.
Transportzeit ist Arbeitszeit.
Kann diese reduziert werden, bleibt mehr Zeit für produktive Arbeit auf der Fläche.
Moderne Gerätetechnik am Unimog
Damit ein moderner Geräteträger in der Landwirtschaft funktioniert, reichen Motorleistung und Hydraulik allein nicht mehr aus.
Mit dem Bedienkonzept UNI-TOUCH lassen sich unterschiedliche Fahrzeug-, Hydraulik- und Gerätefunktionen bedienen. Hinzu kommt die Möglichkeit einer ISOBUS-Integration von Reichhardt, mit der moderne landwirtschaftliche Anbaugeräte in das Fahrzeugkonzept eingebunden werden können.
Damit wird ein Punkt immer wichtiger: Der Agrar-Unimog muss nicht nur mechanisch zum Anbaugerät passen. Auch die elektronische Kommunikation zwischen Fahrzeug und Gerät muss funktionieren.

Einige Besucher lauschten den Vorträgen und freuten sich sehr auf die Vorführung
Nicht Unimog gegen Traktor
Zum Abschluss des Grünlandtages ging die komplette Kombination aus U 435, Konturstriegel und Zahnringwalze auf die Fläche. Die Besucher konnten unmittelbar verfolgen, wie das Gespann arbeitet und sich die SAPHIR-Geräte an die Bodenoberfläche anpassen.
Für die weitere Positionierung des Agrar-Unimog sind genau solche Praxiseinsätze entscheidend.
Dabei führt die Diskussion „Unimog oder Traktor?“ aus meiner Sicht in die falsche Richtung.
Der klassische Ackerschlepper bleibt für zahlreiche Arbeiten die wirtschaftlich und technisch richtige Maschine. Der Unimog muss seine Stärken dort ausspielen, wo andere Anforderungen hinzukommen: größere Entfernungen, häufige Flächenwechsel, Transportaufgaben und eine möglichst vielseitige Nutzung über das gesamte Jahr.
Deshalb muss die entscheidende Frage lauten:
Was kostet die gesamte Prozesskette je Hektar?
Neben Kraftstoff und Maschinenkosten gehören dazu auch Fahrer, Transport- und Rüstzeiten, Verschleiß, Flächenleistung und Jahresauslastung.
Der Grünlandtag in Linsengericht zeigte dafür ein interessantes Beispiel. Sechs Meter Arbeitsbreite, Nachsaat und Rückverfestigung treffen auf einen hochmobilen Geräteträger.
Gleichzeitig lassen sich sowohl der Unimog als auch die eingesetzte SAPHIR-Technik für weitere Arbeiten nutzen.
Mobilität wird damit selbst zum Produktionsfaktor.
Genau dort liegt eine der Chancen des Unimog Agrar: nicht als Ersatz für den Ackerschlepper, sondern als leistungsfähige Ergänzungsmaschine für Arbeitsketten, in denen Feld und Straße gleichermaßen über die Wirtschaftlichkeit entscheiden.
Michel Kaiser
Produktexperte Unimog Agrar & Autor


