Mercedes GLA Hybrid – der elektrisch schleicht und mit Turbo drückt

Während der elektrische GLA schon in den Startlöchern steht, hat Mercedes-Benz auch der Verbrenner-Fraktion etwas mitgebracht: einen Hybridantrieb, der auf dem Papier nach kluger Ingenieursarbeit klingt – und auch in der Theorie schon zeigt, warum sich der Blick unter die Motorhaube lohnt. Anfang 2027 rollt der neue GLA Hybrid zu den Händlern, zunächst in zwei Leistungsstufen und wahlweise mit Front- oder Allradantrieb.

1,5-Liter-Turbo

Herzstück ist ein komplett neu entwickelter 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbomotor mit der internen Bezeichnung M 252, der aus der modularen FAME-Motorenfamilie (Family of Modular Engines) stammt. Statt auf reine Literleistung zu schielen, setzt Mercedes auf ein das  Brennverfahren nach Miller-Zyklus: d.h. die Einlassventile schließen vergleichsweise früh, was Drosselverluste reduziert und ein hohes Verdichtungsverhältnis von 12:1 ermöglicht. Der Effekt: ein hoher Wirkungsgrad und niedriger Verbrauch, besonders im Teillastbereich – also genau dort, wo der Motor im Alltag die meiste Zeit arbeitet. Als Nebeneffekt sinken auch die NOx-Emissionen.

Zur FAME-Familie gehören außerdem ein Vollaluminium-Kurbelgehäuse mit der NANOSLIDE®-Beschichtung, ein Zylinderkopf mit teilintegriertem Abgaskrümmer, ein Turbolader mit Segmentturbine und schaltbarer Flutenverbindung sowie eine kompakte Ladeluftstrecke. Die motornahe Abgasanlage im One-Box-Design ist bereits auf kommende Abgasnormen vorbereitet – Zukunftssicherheit inklusive.

48-Volt-Unterstützung direkt im Getriebe

Für den elektrischen Teil der Partnerschaft sorgt eine neue 48-Volt-Batterie mit Lithium-Ionen-Technologie und einem Energiegehalt von bis zu 1,3 kWh. Der zugehörige Elektromotor sitzt nicht irgendwo im Antriebsstrang, sondern ist zusammen mit seinen Komponenten direkt in das neue elektrifizierte Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe (8F-eDCT) integriert. Das Ergebnis ist ein kompaktes, effizientes Gesamtpaket. Kraftschluss und -trennung übernehmen zwei Fahrkupplungen sowie eine zusätzliche Trennkupplung, während die acht Gänge bewusst breit gespreizt übersetzt sind – so lässt sich der Verbrennungsmotor stets im günstigsten Betriebspunkt betreiben.

Der E-Motor mischt dabei über den gesamten Drehzahlbereich mit und gleicht vor allem die Schwäche vieler kleiner Turbomotoren aus: das zähe Ansprechverhalten bei niedrigen Drehzahlen. Hier sorgt der elektrische Boost für spürbar bessere Beschleunigung aus dem Drehzahlkeller.

Elektrisch schleichen, segeln, rekuperieren

Im Stadtverkehr, wo ohnehin meist gemächlich gefahren wird, kann der Hybrid-GLA nun  rein elektrisch unterwegs sein. Und auch außerorts zeigt sich das System pfiffig: Elektrisches Segeln mit ausgekuppeltem Antriebsstrang funktioniert selbst bei Tempo über 100 km/h, sofern weniger als 22 kW Leistung gefragt sind – etwa auf einer entspannten Autobahnetappe mit konstantem Tempo. Rekuperieren kann der Elektromotor in allen acht Gängen, mit einer maximalen Rückgewinnungsleistung von 25 kW.

Wer befürchtet, die ständigen Wechsel zwischen Verbrenner- und Elektrobetrieb sowie die Start-Stopp-Automatik könnten den Fahrkomfort stören, darf aufatmen: Laut Mercedes sollen diese Übergänge für Fahrerin und Fahrer kaum spürbar sein – ein Anspruch, den sich in der Praxis freilich erst noch beweisen muss.

Auch bei Stillstand cool: elektrischer Kältemittelverdichter

Ein Detail, das im Alltag schnell an Bedeutung gewinnt: Der elektrische Kältemittelverdichter läuft mit 48-Volt-Technik und reduziert die Reibleistung des Systems. Praktischer Nebeneffekt – die Klimaanlage funktioniert auch im Stand oder während rein elektrischer Fahrt zuverlässig, ganz ohne laufenden Verbrennungsmotor.

Mit dem neuen Hybridantrieb zeigt Mercedes, dass Downsizing und Effizienz nicht zwangsläufig auf Kosten der Alltagstauglichkeit gehen müssen. Die enge Verzahnung von 48-Volt-E-Motor und Doppelkupplungsgetriebe, kombiniert mit dem sparsamen Miller-Vierzylinder, verspricht einen GLA, der in der Stadt leise gleitet und auf der Landstraße dennoch giert, wenn es die Situation verlangt. Ob das technische Versprechen auch im echten Fahrbetrieb hält, was das Datenblatt ankündigt, wird sich zeigen, wenn der Hybrid-GLA Anfang 2027 an den Start geht.

Bilder: Mercedes-Benz Group AG

3 Kommentare
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Gottlieb Daimler
1 Stunde zuvor

Seit mittlerweile Jahrzehnten dürfte es – zumindest bei Premiumherstellern – Standard sein, dass Motorabdeckungen ein Dämmmaterial zur Geräuschisolierung umfassen. Faszinierend, wie nun auch schon eine solch gewöhnliche Ausführung hier marketingtechnisch unter „Motorabdeckung mit NVH-Funktion“ als kleines Highlight/Neuerung hervorgehoben wird.

Marc W.
Reply to  Gottlieb Daimler
16 Minuten zuvor

Es ist irgendwie auch lustig, bei einem 100k-Auto im aftersale eine 20Euro-Batteriekastendämmung nachzurüsten, welche Luftansauggeräusche mindern soll.
Vermutlich hätten die 100g in der Zertifizierung einen Sprung ergeben ? 🙂

Heute sind die Wünsche kleiner. Statt KI-Presseprosa einfach mal funktionierende Konfiguratoren und Webseiten.

Fällt eigentlich niemandem auf, dass seit Jahrzehnten (!!) die Abmessungsgrafiken (in den epaper, die es für UK weiterhin gibt) zwar schön viele Volumina, größter Quader etc. benennen, immer (!) aber das längste Brett zwar gemalt, nicht aber abgemessen wird ???

Silberfisch
1 Stunde zuvor

Es wird doch 1:1 der Motor vom CLA/GLB sein.
Wieso man sich bei den MMA Modellen für einen Verbrenner entscheiden sollte, ist mir weiterhin extrem schleierhaft.
Der direkte Vergleich bei den Modellen mit dem M252 zeigt einfach wo die Zukunft hingeht.