Mercedes-Benz startet Serienfertigung von Axial-Fluss-Motoren in Berlin

Mercedes-Benz hat im Werk Berlin-Marienfelde die Großserienproduktion des  neu entwickelten elektrischen Axial-Fluss-Motors aufgenommen. Mit dem Produktionsstart erweitert der  Standort seine Rolle innerhalb des globalen Produktionsverbunds und positioniert sich als Kompetenzzentrum für High-Performance-Elektromotoren. Die Antriebstechnologie kommt erstmals im neuen vollelektrischen Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé zum Einsatz.

Neue Fertigungstechnologien für die Elektromobilität

Die Produktion des Axial-Fluss-Motors erfolgt auf rund 30.000 Quadratmetern in drei Hallen und sieben Fertigungslinien. Insgesamt umfasst die Herstellung 98 Prozessschritte. Davon werden 65 erstmals bei Mercedes-Benz eingesetzt, während 35 Verfahren nach Unternehmensangaben weltweit neu sind. Die Entwicklung der Produktionsprozesse führte zu mehr als 30 Patentanmeldungen.

In der Fertigung kombiniert Mercedes-Benz hochautomatisierte Abläufe mit Lasertechnologie, intelligenter Steuerung, KI-gestützter Qualitätskontrolle und spezialisierten Fachkräften. Ziel ist es, die hohen Anforderungen an Präzision und Prozesssicherheit bei der industriellen Herstellung des Motors zu erfüllen.

Herausforderungen bei der Industrialisierung

Die kompakte Bauweise und hohe Leistungsdichte des Axial-Fluss-Motors machten die Entwicklung neuer Fertigungsmethoden erforderlich. So setzt Mercedes-Benz bei den Kupferspulen des Stators auf rechteckigen Kupferdraht, um mehr Material auf gleichem Raum unterzubringen. Dafür wurde ein spezielles Verfahren entwickelt, das eine schnelle und präzise Formgebung ermöglicht, ohne die Materialeigenschaften zu beeinträchtigen. Auch die Verbindung der einzelnen Spulenpakete stellt hohe Anforderungen an die Produktion. Hier kommt eine hochpräzise Laserschweißtechnik zum Einsatz, die die Kupferdrähte in engem Bauraum verbindet und gleichzeitig thermische Belastungen angrenzender Bauteile minimiert.

Künstliche Intelligenz unterstützt Qualitätskontrolle

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf laserbasierten Schweißverfahren für Kunststoffkomponenten. Dabei überwacht eine KI-gestützte optische Qualitätskontrolle die Prozesse in Echtzeit. Bildverarbeitungssysteme erkennen die exakte Position der Bauteile, definieren virtuelle Schutzzonen und sorgen dafür, dass der Laser ausschließlich die vorgesehenen Bereiche bearbeitet. Die automatisierte Kontrolle dient dazu, die Prozesssicherheit zu erhöhen und die Qualität der Bauteile unmittelbar während der Fertigung zu dokumentieren.

Präzision bei der Endmontage

Besondere Anforderungen stellt die sogenannte „Hochzeit“ der Motorkomponenten dar. Dabei wird der Stator zwischen zwei Rotorscheiben mit Permanentmagneten positioniert. Während des Prozesses wirken magnetische Kräfte von bis zu neun Kilonewton auf die Bauteile. Gleichzeitig muss die Positionierung mit einer Toleranz von weniger als 0,1 Millimetern erfolgen. Ein speziell entwickelter Regelungsalgorithmus überwacht und korrigiert die Ausrichtung der Komponenten in Echtzeit, um die erforderliche Präzision sicherzustellen.

Kompakter Aufbau mit hoher Leistungsdichte

Der Axial-Fluss-Motor unterscheidet sich grundlegend von herkömmlichen Radial-Fluss-Motoren. Während bei klassischen Elektromotoren der elektromagnetische Fluss radial verläuft, erfolgt er hier parallel zur Drehachse. Die scheibenförmige Anordnung von Rotoren und Stator ermöglicht eine besonders kompakte Bauweise sowie eine hohe Leistungs- und Drehmomentdichte. Im neuen Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé kommen insgesamt drei Axial-Fluss-Motoren zum Einsatz. Sie sind in sogenannte High Performance Electric Drive Units integriert, die Motoren und Getriebe in einer kompakten Einheit zusammenfassen.

Premiere im neuen Mercedes-AMG GT

Die neue Antriebstechnologie feiert ihre Serienpremiere im vollelektrischen Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé. Das Fahrzeug beschleunigt laut Hersteller in bis zu 2,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht mit dem optionalen Driver’s Package eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h. Bereits zuvor hatte die Technologie ihre Leistungsfähigkeit in einem Erprobungsfahrzeug unter Beweis gestellt. Der Technologieträger CONCEPT AMG GT XX absolvierte auf dem Testgelände Nardò innerhalb von sieben Tagen und 13 Stunden mehr als 40.000 Kilometer und stellte dabei 25 Langstreckenrekorde auf.

Berlin-Marienfelde als Zentrum für digitale Produktion

Der Produktionsstart ist eng mit der Weiterentwicklung des Standorts Berlin-Marienfelde verbunden. Seit 2022 beherbergt das Werk den Mercedes-Benz Digital Factory Campus, der als Entwicklungs- und Testumgebung für digitale Produktionslösungen dient. Dort werden Anwendungen auf Basis des Produktionsökosystems MO360 entwickelt und erprobt.

Mit der Industrialisierung des Axial-Fluss-Motors verbindet Mercedes-Benz am Standort Berlin-Marienfelde die Bereiche Elektromobilität, digitale Produktion und intelligente Automatisierung. Das Werk übernimmt damit eine zentrale Rolle bei der Einführung neuer Technologien in die industrielle Serienfertigung.

Bilder: Mercedes-Benz Group AG

10 Kommentare
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Dr. Alexeander
1 Monat zuvor

Da bin ich wohl (mal wieder) der Erste, der hier kommentiert.

Uwe
1 Monat zuvor

Muss das sein, kann man im ausland bestimmt günstiger herstellen!

Manuel Wälzlein
Reply to  Uwe
1 Monat zuvor

Und sich dann aufregen dass Arbeitsplätze in Deutschland verloren gehen? Anstatt wertzuschätzen dass Mercedes die Produktion in Deutschland hält wird wieder mal nur geschimpft.

Rainer
Reply to  Manuel Wälzlein
1 Monat zuvor

Glaube, das war eher ironisch gemeint.

Manuel Wälzlein
Reply to  Uwe
1 Monat zuvor

Einfach mal froh sein, dass Arbeitsplätze geschaffen werden.

Adrian
Reply to  Uwe
1 Monat zuvor

Dann arbeite doch einfach zu china löhnen in china schichten

Ing. Siggi Weber
1 Monat zuvor

Cool !

Manuel Wälzlein
1 Monat zuvor

Einfach mal froh sein dass Arbeitsplätze in Deutschland erhalten bleiben. Ja das Produkt mag teuerer sein als wenn im Ausland gefertigt, aber dafür bleibt Kapital im Land.

DüdoVans
Reply to  Manuel Wälzlein
1 Monat zuvor

Das ist zu einfach gedacht. Deutsche Unternehmen produzieren ja auch global. Und der deutsche Händler eines ausländischen Herstellers verdient ja auch in Deutschland und kommt von hier. Das Problem bei Arbeit generell, sie will keiner machen! Wo gibt es denn einheimische Erntehelfer, oder Toilettenpersonal? Der gemeine Deutsche möchte nur noch Chef sein. Arbeiten und für Bedingungen kämpfen sollen die anderen…

Bertzük
1 Monat zuvor

Und da sag mal einer bei einem E-Auto gäb es keine Wertschöpfung. Ist halt doch nicht nur E-Motor auf (ich darf hier nicht den Namen des bekannten chinesischen Onlinestores nennen, rofl) bestellen und fertig ist das E-Auto. Besteht ja doch noch Hoffnung für die deutschen Autobauer.