Neues Mercedes-AMG Safety Car für die Formel 1: Mehr Traktion für Mayländer

Mercedes-AMG tauscht das Safety Car der Formel 1 aus. Beim Grand Prix von Ungarn 2026 übernimmt der GT 63 PRO 4MATIC+ die Aufgabe des bisherigen GT Black Series. Das neue Modell setzt erstmals auf Allradantrieb – und könnte damit vor allem bei Regen einen entscheidenden Vorteil bieten.

Nach vier Jahren und 51 Einsätzen ist Schluss für den Mercedes-AMG GT Black Series als offizielles Safety Car der Formel 1. Beim Großen Preis von Ungarn feiert sein Nachfolger Premiere: der Mercedes-AMG GT 63 PRO 4MATIC+. Für Mercedes ist es bereits das 14. Safety Car seit Beginn der Partnerschaft mit der FIA im Jahr 1996.

Der Modellwechsel kommt nicht überraschend. Mit der neuen GT-Generation verfügt AMG inzwischen über eine technisch modernere Plattform. Die wichtigste Neuerung für den Einsatz an der Spitze des Formel-1-Feldes steckt allerdings im Antrieb.

Premiere: Allrad statt Hinterradantrieb

Erstmals setzt Mercedes beim offiziellen FIA Safety Car auf den vollvariablen AMG Performance 4MATIC+. Bislang vertrauten sämtliche AMG-Safety-Cars auf Hinterradantrieb – selbst der 730 PS starke GT Black Series.

Gerade bei schwierigen Bedingungen verspricht der Allradantrieb klare Vorteile. Das Safety Car muss unmittelbar nach Unfällen oder Wetterumschwüngen mit maximalem Tempo auf die Strecke gehen und gleichzeitig genügend Sicherheitsreserven bieten. Mehr Traktion beim Herausbeschleunigen und eine höhere Fahrstabilität auf nasser Fahrbahn erleichtern diese Aufgabe erheblich.

An Leistung mangelt es ohnehin nicht. Der bekannte Vierliter-V8-Biturbo entwickelt 612 PS und 850 Newtonmeter Drehmoment. Geschaltet wird über das AMG Speedshift MCT-Neunganggetriebe, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 317 km/h.

Seriennah – aber konsequent für den Rennbetrieb optimiert

Mercedes verzichtet bewusst auf einen radikalen Umbau. Die Basis bleibt weitgehend das Serienmodell GT 63 PRO, dessen Abstimmung bereits auf intensive Trackdays ausgelegt ist. Für den Einsatz in der Formel 1 erhielt das Fahrzeug dennoch zahlreiche Detailänderungen.

Dazu gehören ein größerer Frontsplitter, zusätzliche Dive Planes sowie ein modifizierter Heckflügel mit aktivem Flap. Ziel ist nicht eine höhere Endgeschwindigkeit, sondern mehr Stabilität bei den hohen Kurvengeschwindigkeiten, die ein modernes Formel-1-Safety-Car erreichen muss.

Neu ist auch die Position der Warnleuchten. Statt einer klassischen Dachleiste sitzt die Signalanlage jetzt aerodynamisch integriert im Heckflügel. Zusätzliche LED-Module in Front, Heck und den Leuchteinheiten verbessern die Sichtbarkeit für die nachfolgenden Formel-1-Fahrzeuge. Orange signalisiert Überholverbot, grün gibt das Fahrerfeld nach einer Neutralisation wieder frei.

Arbeitsplatz für Bernd Mayländer

Auch im Cockpit orientiert sich Mercedes konsequent an den Anforderungen des Rennbetriebs. Größere FIA-Tablets erleichtern die Kommunikation mit der Rennleitung. Hinzu kommen speziell entwickelte Funk-, GPS- und Kamerasysteme sowie ein eigenes Bordnetz für sämtliche Sicherheitssysteme.

Zur Sicherheitsausstattung zählen ein Überrollkäfig, RECARO-Rennschalensitze und Sechspunktgurte. Die Bremsanlage entspricht der Keramik-Hochleistungsanlage des Serienfahrzeugs. Gefahren wird auf speziell abgestimmten Pirelli P Zero R-Reifen.

Jubiläum mit Sonderdesign

Zum Einstand erhält das neue Safety Car eine exklusive Jubiläumslackierung. Die schwarze Grundfarbe wird durch rote Akzente ergänzt. Hinzu kommen ein spezielles 30-Jahre-Logo sowie die Logos der Formel-1-Partner. Zwei identisch aufgebaute Fahrzeuge stehen beim Grand Prix von Ungarn bereit.

Technische Daten

Merkmal Mercedes-AMG GT 63 PRO Safety Car
Motor 4,0-Liter-V8-Biturbo
Leistung 612 PS (450 kW)
Drehmoment 850 Nm
Antrieb AMG Performance 4MATIC+
Getriebe AMG Speedshift MCT 9G
Höchstgeschwindigkeit 317 km/h
Bremsen AMG Keramik-Hochleistungsbremsanlage
Fahrwerk AMG Active Ride Control
Reifen Pirelli P Zero R

Einordnung

Der Wechsel zum GT 63 PRO ist weit mehr als ein gewöhnlicher Modellwechsel. Während der GT Black Series kompromisslos auf maximale Performance über die Hinterachse setzte, verfolgt Mercedes nun einen anderen Ansatz. Der variable Allradantrieb erweitert das Einsatzspektrum deutlich und dürfte insbesondere bei Regen oder wechselnden Gripverhältnissen Vorteile bringen. Gerade weil moderne Formel-1-Rennen immer häufiger unter schwierigen Wetterbedingungen stattfinden, ist das ein sinnvoller Schritt.

Dass AMG gleichzeitig auf ein nahezu seriennahes Fahrzeug setzt, unterstreicht zudem die technische Nähe zwischen Straßensportwagen und Motorsport. Der GT 63 PRO dürfte damit eines der leistungsfähigsten und gleichzeitig alltagstauglichsten Safety Cars sein, das die Formel 1 bislang gesehen hat.

Bilder: Mercedes-Benz Group AG