Mercedes USA ruft 310.000 Fahrzeuge wegen Bremsproblemen zurück

In den USA ruft Mercedes-Benz 310.667 Fahrzeuge zurück. Ein korrodierender Mikroschalter im Türschloss der Fahrerseite kann verhindern, dass sich die elektrische Feststellbremse automatisch aktiviert – im schlimmsten Fall droht ein Wegrollen. In Deutschland gibt es bislang keinen entsprechenden Rückruf.

Betroffen sind in den USA insgesamt sechs Baureihen der Modelljahre 2019 bis 2026: A-Klasse Limousine (A 22), CLA, C-Klasse, CLE, GLA/GLB und GLC (NHTSA Vorgangsnummer: 26V481)

Ursache des Rückrufs (Recall) ist ein verbauter Mikroschalter im Fahrertürschloss, dessen Gehäusematerial anfälliger für Feuchtigkeit ist als vorgesehen. Über die Zeit kann daraus Korrosion entstehen, bis der Schalter nicht mehr zuverlässig erkennt, ob die Tür geöffnet wurde. Die Türverriegelung selbst bleibt funktionstüchtig. Als Ursache nennt Mercedes eine Abweichung im Fertigungsprozess des Zulieferer.

Fällt der genannte Schalter aus, erkennt das System die geöffnete Tür nicht mehr – und damit greift die Auto-Park-Funktion nicht, die beim Aussteigen automatisch die Feststellbremse aktivieren soll. Das Fahrzeug könnte dann ungesichert wegrollen. Ein mögliches Warnzeichen gibt es dazu jedoch: Bleibt das Radio nach dem Aussteigen an, kann das auf den defekten Schalter hindeuten.

Vom Verdacht zum Rückruf

Erste Hinweise reichen bis in das Jahr 2021 zurück, blieben zunächst aber ohne erkennbaren Sicherheitsbezug. Ein Vorfall außerhalb der USA im Mai 2025 löste eine tiefere technische Untersuchung aus. Bis Juli 2026 grenzte Mercedes die kritischen Klimabedingungen ein – dauerhaft hohe Luftfeuchtigkeit und Temperatur begünstigen die Korrosion, während sie in trockeneren Regionen auch wieder rückgängig gemacht werden kann. Erst am 17. Juli 2026 entschied sich der Konzern dann für den Rückruf. In den USA sind dazu 176 Fälle bekannt, jedoch alle im Komfortbereich – ein tatsächliches Wegrollen wurde bislang nicht gemeldet.

Betroffene Modelle

Baureihe Modelljahre Stückzahl (größte Gruppen)
GLB 250 4MATIC 2020–2026 71.696
GLB 250 2020–2026 56.879
GLA 250 4MATIC 2020–2026 30.084
A 220 2019–2022 27.057

Weitere betroffene Baureihen: CLA (2020–2021), C-Klasse (2022–2023), CLE (2024) und GLC (2023–2024). Der A 220 ist die einzige A-Klasse-Variante, die in den USA angeboten wurde – wohlgemerkt als Limousine, nicht als Kompaktwagen.

Reparatur

Mercedes-Händler tauschen das Türschloss im Rahmen des Rückrufs kostenlos aus, neu verbaute Schlösser erhalten dazu robustere Schalter. Die Produktion ist bereits seit dem 20. Mai 2026 umgestellt, eine Händlerbenachrichtigung erfolgt am 31. Juli 2026, Kunden werden bis spätestens 18. September 2026 informiert. Informationen, inwieweit Fahrzeuge auf dem deutschen Markt betroffen sind, gibt es nicht.

Quelle: NHTSA-Rückrufmeldung 26V481, Mercedes-Benz USA / Bilder: Mercedes-Benz Group AG

13 Kommentare
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Pano
8 Tage zuvor

Gezählt wird erst wenn sich das KBA regt…

Gernot
Reply to  Pano
5 Tage zuvor

Sollte sich bei diesem Thema das KBA regen, braucht niemand mehr weiterzählen. Das toppt alles. Es ist auffällig, wie auf die klimatischen Verhältnisse abgestellt wird.

GLA250E
8 Tage zuvor

Bei meinem B 250e ist genau das geschehen – nach den ausschalten des Motors geht normalerweise beim öffnen der Fahrertür die Automatik auf P. Das hatte bei meiner B Klasse nicht funktioniert. Ich habe nicht darauf geachtet, bin ausgestiegen und das Auto fuhr los. Also krass gefährlich. Wurde in der Werkstatt repariert. Ich achte nun immer, ob das Auto beim Abstellen auf P umschaltet. Sollte in Deutschland auch bei allen betroffenen Fahrzeugen korrigiert werden, weil es richtig gefährlich ist.

GLA250E
8 Tage zuvor

Bei meinem B 250e ist genau das geschehen – nach den ausschalten des Motors geht normalerweise beim öffnen der Fahrertür die Automatik auf P. Das hatte bei meiner B Klasse nicht funktioniert. Ich habe nicht darauf geachtet, bin ausgestiegen und das Auto fuhr los. Also krass gefährlich. Wurde in der Werkstatt repariert. Ich achte nun immer, ob das Auto beim Abstellen auf P umschaltet. Sollte in Deutschland auch bei allen betroffenen Fahrzeugen korrigiert werden, weil es richtig gefährlich ist.

Bertram
7 Tage zuvor

Wie ich den Kommentaren entnehme gibt es wohl doch genug Idioten die das Fahrzeug einfach verlassen ohne sich zu vergewissern dass es korrekt wegen Wegrollen gesichert ist.

Dr. Alexander
7 Tage zuvor

Das ist dann Rückruf Nr. 10 in KW 31.

Pano
Reply to  Dr. Alexander
7 Tage zuvor

Moin Doc, vielen Dank, dass Sie das Zähen übernehmen. Viel Spaß damit

Rainer
7 Tage zuvor

Auf diese Art ist Anton Yelchin gestorben: Aus dem Auto ausgestiegen um den Briefkasten zu checken, Auto ist zurückgerollt und hat ihn gegen einen Zaun gedrückt.

War aber ein Jeep damals…
Fast genau 10 Jahre ist das her.

Pano
Reply to  Rainer
7 Tage zuvor

Jeep, 10 Jahre. Wo ist da der Zusammenhang?

Tommy
7 Tage zuvor

Bei meinem ersten 205er war das normal. Hatte 9 Stück, irgendwann wurde umgestellt und beim öffnen der Tür zog die Feststellbremse zu. Fand das eher lästig. Bin aber schon etwas älter und kenne noch mechanische Handbremsen, etwa beim 190er. Damals wäre niemand auf die Idee gekommen, auszusteigen ohne Gang einlegen, Automatik auf P oder Handbremse zu ziehen (oder treten beim 124er bzw. 210er).

Marc W.
Reply to  Tommy
7 Tage zuvor

Folge unserer Bequemlichkeit. Man nähert sich dem Wagen, welcher die Tür öffnet. Das Smartphone oder die Armbanduhr bewirken Fahrbereitschaft usw.
Nach „getaner“ Fahrt ist es also äußerst wichtig, dass der Wagen ein Ende, also eine geöffnete Fahrertür erkennt.
Vielleicht hilft künftig auch die Fahrerbeobachtungskamera mit. Keine Fahreraugen, also P.

Hans W.
6 Tage zuvor

Ich stelle beim Abstellen immer manuell auf P. Wusste gar nicht das dies automatisch geht

Kann die Beschädigung am Schalter beim W206 auch von den hängenden Türen kommen, die so viele Fahrzeuge haben?