Mercedes-Benz hält trotz eines schwierigen Marktumfelds an seinem Kurs fest. Während das Pkw-Geschäft insbesondere in China unter Druck steht, sorgen die Transportersparte und das Finanzdienstleistungsgeschäft für stabile Ergebnisse. Gleichzeitig gewinnt die größte Modelloffensive der Unternehmensgeschichte sichtbar an Dynamik – allen voran bei den Elektroautos.
Im zweiten Quartal 2026 erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz von 32,1 Milliarden Euro und steigerte das operative Ergebnis (EBIT) auf 1,5 Milliarden Euro. Entscheidend für das Plus waren die starken Beiträge von Mercedes-Benz Vans und Mercedes-Benz Financial Services sowie ein konsequentes Kostenmanagement. Allerdings zeigt sich die Lage im Pkw-Geschäft zunehmend anspruchsvoll: Vor allem der intensive Wettbewerb in China belastet Margen und Absatz.
China bleibt die größte Baustelle
Die Autosparte erzielte im zweiten Quartal lediglich eine bereinigte Umsatzrendite von 4,0 Prozent – ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Vorjahr, wenngleich innerhalb der selbst gesetzten Zielspanne. Verantwortlich sind vor allem der verschärfte Preiskampf in China, ein ungünstiger Modellmix sowie Kosten für den Anlauf zahlreicher neuer Modelle. Zusätzlich belasteten Wertberichtigungen auf Beteiligungen in China das berichtete Ergebnis erheblich.
Dennoch hält Mercedes an der strategischen Bedeutung des chinesischen Marktes fest. Gleichzeitig zeigt sich, dass sich die Abhängigkeit langsam reduziert: Ohne China legte der weltweite Pkw-Absatz gegenüber dem Vorjahr sogar leicht zu.
Elektrooffensive zeigt Wirkung
Erfreulicher entwickeln sich die Elektrofahrzeuge. Der Absatz batterieelektrischer Pkw stieg im zweiten Quartal um 51 Prozent auf rund 53.000 Fahrzeuge. Besonders Europa entwickelt sich zum Wachstumsmotor: Hier legten die BEV-Verkäufe sogar um 87 Prozent zu.
Treiber dieser Entwicklung sind die zahlreichen Modellneuheiten. Der neue CLA und der GLB tragen bereits spürbar zum Absatz bei. Für die zweite Jahreshälfte setzt Mercedes große Hoffnungen auf den elektrischen GLC sowie die neue elektrische C-Klasse. Parallel folgen überarbeitete Versionen von GLE, GLS und mehreren AMG-Modellen. Insgesamt bringt Mercedes zwischen 2025 und 2027 mehr als 40 neue Modelle auf den Markt.
Vans liefern erneut Bestwerte
Während die Pkw-Sparte kämpft, bleibt das Van-Geschäft der Stabilitätsanker. Mit einer bereinigten Umsatzrendite von 10,2 Prozent erzielt Mercedes-Benz Vans erneut ein Ergebnis auf Spitzenniveau. Der Absatz entwickelte sich insbesondere in Europa und Nordamerika positiv, während die Verkäufe vollelektrischer Transporter um 46 Prozent zulegten.
Ein wichtiger Meilenstein ist der Produktionsstart des neuen elektrischen VLE im spanischen Werk Vitoria. Das Modell basiert auf einer komplett neuen, modularen Van-Architektur und soll sowohl Familien als auch Shuttle- und Gewerbekunden ansprechen.
Finanzsparte überrascht positiv
Besonders stark präsentierte sich Mercedes-Benz Financial Services. Das bereinigte operative Ergebnis sprang um 70 Prozent auf 492 Millionen Euro. Höhere Margen und eine verbesserte Kosteneffizienz ließen auch die Eigenkapitalrendite deutlich steigen. Entsprechend hebt der Konzern seine Jahresprognose für diesen Geschäftsbereich an.
Kostenprogramm zeigt Wirkung
Parallel treibt Mercedes seine Effizienzoffensive konsequent voran. Verwaltungskosten und Entwicklungsaufwendungen wurden deutlich reduziert, während gleichzeitig die Produktivität insbesondere an den deutschen Standorten weiter steigen soll. Trotz hoher Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe verfügt der Konzern weiterhin über eine komfortable Netto-Liquidität von mehr als 30 Milliarden Euro.
Ausblick: Mehr Strom, vorsichtiger beim Absatz
Für das Gesamtjahr bleibt Mercedes bei seiner Margenprognose für die Pkw-Sparte. Gleichzeitig erwartet der Hersteller nun einen höheren Anteil elektrifizierter Fahrzeuge von 23 bis 25 Prozent. Beim Fahrzeugabsatz wird das Unternehmen dagegen vorsichtiger: Wegen der anhaltenden Schwäche in China rechnet Mercedes inzwischen mit einem leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahr – sowohl bei den Pkw-Auslieferungen als auch beim Konzernumsatz.
Bilder: Mercedes-Benz Group AG



