Unter der Vielzahl der Pkw-Modelle, die vor dem Ersten Weltkrieg bei der Daimler-Motoren-Gesellschaft gebaut wurden, stellten die Mercedes-Knight Typen eine Besonderheit dar. Sie wurden von ventillosen Schiebermotoren angetrieben, die auf eine Erfindung des Amerikaners Charles J. Knight zurückgingen.

Ventillose Schiebermotoren von Charles J. Knight

Paul Daimler, der im April 1907 als Nachfolger von Wilhelm Maybach Leiter des Konstruktionsbüros geworden war, hatte im April 1909 nach Abschluss eines Vorvertrages eine Versuchsserie von sechs Schiebermotoren bauen lassen. Im März 1910 erwarb die DMG dann die Lizenzen zur Produktion der Knight-Motoren für den Zeitraum von zunächst zehn Jahren. Als erster Pkw-Typ mit dem neuen Motor wurde der 16/40 PS im Dezember 1910 auf dem Pariser Automobil-Salon präsentiert. Die Serienfertigung dieses 4 Liter-Vierzylinderwagens begann Anfang 1911. Zwei weitere Vierzylindermodelle, der 10/30 PS und der 25/65 PS, gingen 1913 in Produktion.

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Außergewöhnliche Laufruhe

Vor- und Nachteile der Knight-Konstruktion wurden seinerzeit von Automobilisten wie Ingenieuren kontrovers diskutiert. Unbestrittene Vorzüge des neuen Systems waren die für damalige Begriffe außergewöhnliche Laufruhe und Kultiviertheit. Außerdem entwickelten Knight-Motoren im Drehzahlbereich von etwa 500 bis 1500 U/min eine höhere Leistung als gleich große konventionelle Aggregate.

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Andererseits erforderten Schiebermotoren einen hohen konstruktiven und fertigungstechnischen Aufwand sowie eine höchst sensible Bedienung. Ein besonders kritischer Punkt war die ordnungsgemäße Schmierung der Zylinder- und Schieberlaufflächen, die mit den seinerzeit verfügbaren Schmierstoffen – vor allem bei unzureichender Wartung – oftmals nicht gewährleistet war. Zunehmend problematisch wurde dieser Aspekt im Drehzahlbereich über 1600 U/min, in dem der Schiebermotor auch hinsichtlich seiner spezifischen Leistung keine Überlegenheit mehr zeigte.

Die realisierbaren Maximal-Drehzahlen um 1.750 /min beschränkten die Höchstgeschwindigkeit auf ca. 80 km/h, so dass dem Entwicklungspotential und der praktischen Verwendbarkeit des Knight-Motors, zumindest längerfristig, Grenzen gesetzt waren.

Mehr als 5.500 Fahrzeuge produziert

Dennoch gab es unter den Kunden der Daimler-Motoren-Gesellschaft eingefleischte Knight-Befürworter, ein Umstand, der in einer gebauten Stückzahl von mehr als 5.500 Fahrzeugen sowie einem immerhin 14-jährigen Produktionszeitraum eindrucksvoll dokumentiert ist. Die Typen 10/30 PS und 25/65 PS wurden zwar nur bis 1915 produziert, das 4-Liter-Modell blieb dagegen bis 1924 im Programm.

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Mitte 1913 wurde der Typ 16/40 PS wie alle anderen Modelle im DMG-Verkaufsprogramm umbenannt und erhielt die neue Typenbezeichnung 16/45 PS. Im Frühjahr 1924 wurde die Modellbezeichnung der tatsächlichen Motorleistung angepasst und hieß seitdem 16/50 PS. Ab Sommer 1924 wurde der 16/50 PS mit Vierrad-Trommelbremsen ausgerüstet. Er war damit nach dem 28/95 PS das zweite DMG-Modell, das mit Vorderradbremse angeboten wurde.

Quelle/Bilder: Mercedes-Benz AG